Schnee und Wetter · 25. Oktober 2026

Sonnenhänge: Welche Piste wann Sonne hat

Welche Piste wann Sonne hat: Ost, Süd, West und Nord im Tagesverlauf, Sonnenstand von Dezember bis März und der Einfluss auf die Schneesicherheit.

Sonnige, breite Piste unter blauem Himmel
Foto: wirestock / Freepik

Kurz gesagt: Ostseiten liegen am Vormittag in der Sonne, Südseiten über den Tag, Westseiten am Nachmittag, Nordseiten im Hochwinter kaum. Im Dezember steht die Sonne mittags nur etwa 20 Grad hoch, Ende März etwa 45 Grad, deshalb ändert sich die Verteilung stark. In unserer Schneesicherheit zählen Nordhänge voll, Süd nur zu 10 Prozent.

Wann eine Piste Sonne hat, hängt von drei Dingen ab: in welche Himmelsrichtung der Hang zeigt, wie hoch die Sonne steht und welche Berge Schatten werfen. Ostseiten bekommen die Sonne am Vormittag, Westseiten am Nachmittag, Südseiten über den ganzen Tag, Nordseiten im Hochwinter kaum. Dieser Ratgeber erklärt die Regeln, rechnet den Sonnenstand für die Alpen durch und zeigt, wie Hangausrichtung in unsere Schneesicherheit eingeht.

Die Grundregel: Himmelsrichtung und Tageszeit

Die Sonne wandert im Osten auf, steht mittags im Süden und geht im Westen unter. Daraus ergibt sich für jede Hangrichtung ein typischer Tagesgang:

  • Ostexponierte Hänge liegen am Vormittag in der Sonne. Am Nachmittag fallen sie in den Schatten.
  • Südexponierte Hänge bekommen die Sonne ab dem späten Vormittag bis in den Nachmittag, mittags am stärksten.
  • Westexponierte Hänge liegen am Vormittag im Schatten und bekommen die Sonne am Nachmittag und bis zum Abend.
  • Nordexponierte Hänge sehen im Hochwinter kaum direkte Sonne, im Frühjahr wandert sie über den Tag auch auf sie.

Das gilt für freie Hänge. Berge, Grate und Wälder verschieben die Zeiten, deshalb sind es Richtwerte und keine Zeitangaben. Konkrete Uhrzeiten nennen wir bewusst nicht, weil sie von Ort und Datum abhängen.

Warum der Dezember anders ist als der März

Die Sonne steht im Winter tief, und das ändert die Sonnenscheindauer auf Pisten stark. Für 47 Grad nördlicher Breite, ungefähr die Breite von Salzburg oder Innsbruck, haben wir die Mittagshöhe der Sonne ausgerechnet. Das ist eine eigene Berechnung nach der Standardformel (90 Grad minus Breite plus Deklination der Sonne), gerundet. Berücksichtigt sind weder Gelände noch Wetter.

Datum Mittagshöhe der Sonne Schattenlänge je Meter Höhe
21. Dezember etwa 20 Grad etwa 2,8 m
1. Februar etwa 25 Grad etwa 2,1 m
1. März etwa 35 Grad etwa 1,4 m
21. März etwa 43 Grad etwa 1,1 m
28. März (Ostersonntag 2027) etwa 45 Grad etwa 1,0 m

Die Spalte rechts zeigt, wie lang der Schatten eines Hindernisses auf ebenem Boden ist. Im Dezember wirft ein 100 Meter hoher Rücken mittags einen Schatten von rund 280 Metern. Ende März sind es nur noch etwa 100 Meter. Daher liegen Pisten im engen Tal oder am Fuß eines hohen Berges im Dezember oft den ganzen Tag im Schatten, im März dagegen nur am Morgen und am späten Nachmittag.

Dazu kommt der Eigenschatten: Zeigt ein Hang nach Norden und ist steiler, als die Sonne hoch steht, trifft sie ihn mittags gar nicht direkt. Im Dezember sind das nordexponierte Pisten mit mehr als etwa 20 Grad Neigung, das entspricht rund 36 Prozent Gefälle. Im März gilt diese Grenze erst bei deutlich steileren Hängen. Auch das ist eine Rechnung unter Idealbedingungen (Hang exakt nach Norden, Sonne genau im Süden).

Sonne und Schnee: warum Nordhänge länger Schnee halten

Sonne wärmt die Schneedecke. Das SLF beschreibt das über die Energiebilanz: Die Sonne ist der stärkste Energielieferant für die Schneedecke, obwohl Schnee den größten Teil der Einstrahlung reflektiert. Den größten Energieverlust verursacht die Abstrahlung bei klarem Himmel. Nach der SLF-Analyse beginnen Schmelzprozesse an Südhängen früher und stärker als im flachen Gelände. Im späten Frühjahr verwischt der Unterschied, weil auch Nordhänge mehr Sonne bekommen.

Für Skifahrer bedeutet das zweierlei. Auf sonnigen Hängen wird der Schnee tagsüber weicher, was angenehm sein kann, aber auch zu nassem, schwerem Schnee führt. Auf schattigen Hängen bleibt er fester und kälter. Pulver hält sich eher im Schatten, bei Kälte kann die Oberfläche dort aber hart und eisig werden. Das letzte ist ein Erfahrungswert, die SLF-Quelle behandelt die Energiebilanz im Frühjahr.

So geht die Hangausrichtung in unsere Schneesicherheit ein

Auch wir rechnen mit der Ausrichtung. Aus den Pistenlinien in OpenStreetMap berechnen wir die Richtung jeder Piste. Die Hangausrichtung geht zu 20 Prozent in die Schneesicherheit ein. Gewichtet nach Pistenlänge zählen Nordhänge voll, Osthänge zu 60 Prozent, Westhänge zu 40 Prozent und Südhänge zu 10 Prozent.

Hangrichtung Gewicht in der Hang-Wertung
Nord 100 Prozent
Ost 60 Prozent
West 40 Prozent
Süd 10 Prozent

Dass Ost höher gewichtet ist als West, liegt an der Überlegung, dass Osthänge die Morgensonne bei noch kühler Luft bekommen, Westhänge die Nachmittagssonne bei wärmerer Luft. Die Gewichte sind unsere Festlegung für die Wertung, sie stützen sich nicht auf eine einzelne Studie.

Die Wertung ist für das ganze Gebiet gemittelt. Sie sagt Dir, wie viel der Pistenlänge zu welcher Seite zeigt, nicht, welche einzelne Piste wann Sonne hat. Die Einzelpiste musst Du auf der Karte selbst beurteilen.

Sonne planen: Hänge nach Tageszeit

Aus Himmelsrichtung und Sonnenstand lässt sich ein einfacher Tagesplan ableiten, den wir als Faustregel verstehen:

  • Am Morgen starten, wenn Du Sonne willst: Ostseiten und Pisten in hohen, freien Lagen.
  • Gegen Mittag: Südseiten, wenn es kühl ist, Nordseiten, wenn es warm ist.
  • Am Nachmittag: Westseiten für die letzte Sonne, Nordseiten, wenn der Schnee auf den sonnigen Seiten weich geworden ist.
  • Im Dezember und Januar: möglichst früh und in Höhen, in denen Berge nicht den Horizont verbauen.

Auch die Höhenlage hilft bei der Suche nach Sonne. In Tälern mit Hochnebel liegt die Sonne oft erst weiter oben. Das ist ein verbreiteter Wettereffekt, den wir als Erfahrungswert nennen und nicht als Messwert. Gebiete mit großer Höhenspanne bieten die Wahl zwischen Schatten unten und Sonne oben.

Gebiet Tiefster Punkt Höchster Punkt Höhenspanne
Stubai 959 m 3.208 m 2.249 m
Sölden 1.346 m 3.245 m 1.899 m
Mayrhofen Hippach 616 m 2.468 m 1.852 m
Pizol 513 m 2.250 m 1.737 m

Beim Planen mit Kindern oder kälteempfindlichen Mitfahrern lohnt ein Blick auf die Kälte. Im Dezember liegen Hänge im Schatten oft den ganzen Tag unter dem Gefrierpunkt, und am Sessellift kühlt der Fahrtwind zusätzlich aus. Eine Pause auf einer Sonnenterrasse an einem Süd- oder Westhang macht den Tag dann deutlich angenehmer. Das ist eine praktische Überlegung, die Temperaturen messen wir nicht pro Hang. Wer es warm haben will, plant die Pausen also nach der Himmelsrichtung der Terrasse.

Typische Fehler bei der Sonnenplanung

Viele Skifahrer schauen nur auf den Sonnenschein-Symbol der Vorhersage. Wichtiger ist die Frage, ob Du die Sonne dort hast, wo Du fährst. Eine Piste kann in der Vorhersage Sonne haben und trotzdem wegen eines Grats im Schatten liegen. Umgekehrt kann sie bei Bewölkung gleichmäßig ausgeleuchtet sein, dann spielt die Ausrichtung kaum eine Rolle.

Ein zweiter Punkt ist die Bestimmung der Hangrichtung selbst. Die Richtung eines Hangs ist die Richtung, in die Du blickst, wenn Du bergab schaust. Ein Pistenplan zeigt sie nicht immer, sie lässt sich aber mit einem Kompass oder einer Karten-App ermitteln. Eine Piste, die am Vormittag nach Osten zeigt und weiter unten in eine Rinne nach Norden dreht, wechselt dabei die Sonnenzeit. Rechne deshalb mit Abschnitten statt mit einer Richtung pro Piste.

Zuletzt: Unser Skitag-Index vergibt bis zu 5 von 10 Punkten für Sonnenstunden, volle Punktzahl ab 8 Stunden, und zeigt Dir damit, wie sonnig ein Tag voraussichtlich wird. Die Ausrichtung der einzelnen Piste ist dort nicht enthalten. Die Rechenwege findest Du in der Methodik, alle Gebiete in der Gebietsübersicht und weitere Themen im Ratgeber.

Häufige Fragen

Welche Piste hat am Vormittag Sonne?

Ostexponierte Hänge. Sie liegen am Vormittag in der Sonne und am Nachmittag im Schatten.

Warum halten Nordhänge den Schnee länger?

Sie bekommen weniger Sonne, und die Sonne ist laut SLF der stärkste Energielieferant für die Schneedecke. Südhänge schmelzen früher und stärker.

Wie hoch steht die Sonne im Winter?

Bei 47 Grad Nord mittags etwa 20 Grad am 21. Dezember und etwa 43 Grad am 21. März, nach eigener Berechnung ohne Gelände und Wetter.

Wie wird die Hangausrichtung in der Schneesicherheit gewertet?

Mit 20 Prozent Gewicht: Nordhänge zählen voll, Osthänge zu 60, Westhänge zu 40 und Südhänge zu 10 Prozent, gewichtet nach Pistenlänge.

Quellen

  1. Mitterer, Schweizer (SLF): Neue Fakten, Energiebilanz und Nassschneelawinen, bergundsteigen 1/14 (Stand 2014, abgerufen 25.10.2026)
  2. skifahren.net, eigene Auswertung (Stand 25.10.2026)
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Datenquellen und Hinweise

Skigebiete, Pisten und Karten © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL), aufbereitet über OpenSkiMap · Höhenmodell: Terrain Tiles (Mapzen, AWS Open Data) · Wetter und Schneehistorie: Open-Meteo (CC BY 4.0), Modellwerte · Ferien und Feiertage: OpenHolidays API. Andrang, Schneesicherheit, Eignung und Skitag-Index sind eigene Schätzungen von skifahren.net, Rechenwege in der Methodik. Unsere Pistenpläne sind keine offiziellen Karten.